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Die Selbstorganisation eskalierender Konflikte – Reiseberichte aus Dämonistan

Konflikte sind in sozialen Zusammenhängen unausweichlich. Die Frage, wie mit Konflikten umgegangen wird, ist dabei entscheidend. Denn wenn sich aus einer sachlichen Auseinandersetzung langsam eine eskalierende Dynamik entwickelt, geht den Akteuren

zunehmend die Fähigkeit verloren, sich selbst reflektierend zu beobachten. Wenn dann erst einmal das Gerechtigkeitsempfinden verletzt ist, die Nerven auf beiden Seiten blank liegen, sind die Konfliktparteien vielfach über die jeweils andere hoch empört, der Strudel der Gefühle dreht sich immer schneller.

Verletztes Gerechtigkeitsempfinden und Gefühle der Empörung wirken als Treiber für Eskalation. Offenbar gibt es sehr unterschiedliche Verständnisse davon, was als „gerecht“ empfunden wird: je nach Kontext, in dem die eine und die andere Partei sich bewegen, wird das Verhalten des jeweils anderen als „unglaubliche Frechheit“ erlebt – ein altes sozialpsychologisches Zitat besagt: „Das Recht steht immer auf der Seite der Gruppe, der man innerlich angehört.“ Die sich dann ergebenden psychologischen Gesetzmäßigkeiten führen die Konfliktparteien in eine schwer entrinnbare Eigendynamik. Ein systemischer Blick auf Konflikte beruht zum einen auf der Kenntnis dieser Mechanismen, zum anderen geht es darum, die verschiedenen Kontexturen im Konflikt herauszuarbeiten, also die „Polykontexturalität“ nachzuvollziehen, in der sich die Akteure bewegen. Wenn es gelingt, dass die Streiter sich selbst und den anderen neu beobachten lernen, statt sich wechselseitig als „dumm, krank oder böse“ zu etikettieren, kann es gelingen, Konflikte langsam zu verwandeln.

Die Selbstorganisation eskalierender Konflikte – Reiseberichte aus Dämonistan
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Aus: Fischer, Ch. (Hg.) (2019). Kommunikation im Konflikt. München: C.H. Beck, S. 43-59





IMT_2020_A5_Heft_5-2
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